The day after October 7, when I saw the Brandenburg Gate illuminated with the colors of the Israeli flag, I experienced a feeling that is difficult to explain rationally. It was as if that image had awakened another image, one that belonged to a Germany of more than eighty years ago, when the same monument stood beneath banners bearing the swastika.
I do not ask anyone to believe in reincarnation, metempsychosis, or the transmigration of souls. These belong to the realm of philosophy, religion, and personal experience, not historical proof. Yet I cannot deny that, whenever I write in German for a German-speaking audience, I often feel an inexplicable familiarity with that country and with that period of its history. It is as though fragments of a memory surfaced from somewhere beyond my own biography.
Perhaps they are nothing more than the product of imagination. Perhaps they are symbols created by the unconscious. Or perhaps they belong to what many Eastern traditions call the continuity of the soul through successive lives.
This idea is not foreign to German intellectual history. Hermann Hesse devoted much of his work to Indian philosophy, Buddhism, and the spiritual search that transcends a single earthly existence. The fascination with the East, with ancient traditions, and with questions about the destiny of the soul has always had a presence in European culture.
Even within National Socialist Germany there were figures, such as Heinrich Himmler, who cultivated highly unorthodox beliefs and developed ideas connected to ancient symbols and historical figures. These beliefs, which were often distorted and placed at the service of a destructive ideology, nevertheless demonstrate how powerful the human search for origins, identity, and transcendence can be.
Within my own reflections, two names often emerge: Ernst Kölle and Albert von Berrer. I cannot demonstrate that they have anything to do with me. They may simply represent symbols through which my mind tries to understand history. But if they continue to "speak" to me, their message is not about war, revenge, or nostalgia for the Third Reich.
Their message concerns Germany itself.
For decades, Germany has carried the enormous moral burden of the crimes committed under National Socialism. That responsibility cannot and should not be forgotten. Historical memory is an essential safeguard against repeating the darkest chapters of the past. Yet memory should not become a permanent sentence imposed on an entire nation, preventing it from moving forward.
Since 1945, humanity has witnessed many other wars, genocides, persecutions, and humanitarian tragedies. History did not end with the fall of Berlin. The challenge of our time is to preserve historical responsibility without reducing the identity of a people to the crimes of a single regime.
Sometimes contemporary Germany appears to search for its moral and political identity through very strong symbolic gestures. These gestures may be interpreted in different ways, but they reveal a country still seeking the right balance between remembrance, responsibility, and the confidence to look toward the future.
Aristotle taught that virtue lies in the mean, avoiding excess in either direction. This ancient lesson remains surprisingly relevant today.
If those impressions are more than imagination—if they truly represent echoes of lives lived before—then they cannot exist merely to awaken memories. Memory, by itself, serves no purpose unless it becomes wisdom.
Their meaning, as I understand it, is not to reopen the wounds of history or to seek revenge for the past, but to encourage Germany to rediscover the best of its own tradition: its culture, its philosophy, its scientific spirit, its sense of discipline and responsibility, and its capacity to contribute to European civilization.
A Germany that is strong without being aggressive, conscious of its history without being imprisoned by it, and capable of inspiring Europe not through domination but through example.
Europe does not need a Germany trapped by its past, nor a Germany that forgets it. It needs a Germany capable of leading with confidence, responsibility, and moderation together with the other European nations.
The European Union remains one of the greatest political experiments in history. It can become a true reality only if it becomes not merely a union of institutions and financial interests, but a genuine community of peoples.
An Europe capable of cooperating with all its allies while preserving its own political, cultural, and strategic autonomy. An Europe that is not built only by elites and economic mechanisms, but by citizens who recognize themselves in a common destiny.
If there is indeed a mission entrusted to each generation—or, for those who believe in reincarnation, to each soul returning to the world—it is not to revive the conflicts of the past, but to transform memory into wisdom and history into a foundation for a more balanced, peaceful, and human future.
![]() |
| Ernst Kölle (1922-1945) |
Am Tag nach dem 7. Oktober, als ich das Brandenburger Tor in den Farben der israelischen Flagge beleuchtet sah, empfand ich ein Gefühl, das sich nur schwer rational erklären lässt. Es war, als hätte dieses Bild ein anderes Bild in mir geweckt – ein Bild aus einem Deutschland, das mehr als achtzig Jahre zurückliegt, als dasselbe Bauwerk unter den Fahnen mit dem Hakenkreuz stand.
Ich verlange von niemandem, an die Reinkarnation, die Metempsychose oder die Seelenwanderung zu glauben. Diese Vorstellungen gehören in den Bereich der Philosophie, der Religion und der persönlichen Erfahrung, nicht in den Bereich historischer Beweise. Und doch kann ich nicht leugnen, dass ich jedes Mal, wenn ich auf Deutsch für ein deutschsprachiges Publikum schreibe, eine schwer erklärbare Vertrautheit mit diesem Land und mit dieser Epoche seiner Geschichte empfinde. Es ist, als würden Fragmente einer Erinnerung auftauchen, die nicht zu meiner eigenen Biografie gehören.
Vielleicht sind sie nichts anderes als ein Produkt der Vorstellungskraft. Vielleicht sind sie Symbole, die aus dem Unbewussten entstehen. Oder vielleicht gehören sie zu dem, was viele östliche Traditionen als die Kontinuität der Seele durch mehrere Leben verstehen.
Diese Vorstellung ist der deutschen Geistesgeschichte nicht fremd. Hermann Hesse widmete einen großen Teil seines Werkes der indischen Philosophie, dem Buddhismus und der spirituellen Suche, die über ein einzelnes menschliches Leben hinausgeht. Die Faszination für den Osten, für alte Weisheitstraditionen und für die Frage nach dem Schicksal der Seele hat in der europäischen Kultur immer eine Rolle gespielt.
Auch innerhalb des nationalsozialistischen Deutschlands gab es Persönlichkeiten wie Heinrich Himmler, die ungewöhnliche esoterische Vorstellungen pflegten und Verbindungen zu alten Symbolen und historischen Gestalten suchten. Diese Vorstellungen wurden jedoch oft verzerrt und in den Dienst einer zerstörerischen Ideologie gestellt. Dennoch zeigen sie, wie stark die menschliche Suche nach Ursprung, Identität und Transzendenz sein kann.
In meinen eigenen Überlegungen tauchen immer wieder zwei Namen auf: Ernst Kölle und Albert von Berrer. Ich kann nicht beweisen, dass sie tatsächlich etwas mit mir zu tun haben. Vielleicht sind sie nur Symbole, durch die mein Geist versucht, die Geschichte zu verstehen. Aber wenn sie heute noch zu mir "sprechen", dann geht es nicht um Krieg, Vergeltung oder Nostalgie nach dem Dritten Reich.
![]() |
| Albert Von Berrer |
Ihre Botschaft betrifft Deutschland selbst.
Über Jahrzehnte hinweg hat Deutschland die gewaltige moralische Last der Verbrechen des Nationalsozialismus getragen. Diese Verantwortung darf und soll niemals vergessen werden. Historische Erinnerung ist eine notwendige Schutzmaßnahme gegen die Wiederholung der dunkelsten Kapitel der Vergangenheit. Doch Erinnerung darf nicht zu einer ewigen Verurteilung eines ganzen Volkes werden, die jede Möglichkeit einer Weiterentwicklung verhindert.
Seit 1945 hat die Menschheit viele weitere Kriege, Völkermorde, Verfolgungen und humanitäre Katastrophen erlebt. Die Geschichte endete nicht mit dem Fall Berlins. Die Herausforderung unserer Zeit besteht darin, historische Verantwortung zu bewahren, ohne die Identität einer ganzen Nation auf die Verbrechen eines einzigen Regimes zu reduzieren.
Manchmal scheint das heutige Deutschland seine moralische und politische Identität durch sehr starke symbolische Gesten zu suchen. Diese Gesten können unterschiedlich bewertet werden, doch sie zeigen ein Land, das weiterhin nach dem richtigen Gleichgewicht zwischen Erinnerung, Verantwortung und Vertrauen in die Zukunft sucht.
Aristoteles lehrte, dass die Tugend in der Mitte liegt und die Extreme vermieden werden müssen. Diese alte Erkenntnis besitzt auch heute noch eine überraschende Aktualität.
Wenn diese Eindrücke mehr sind als reine Vorstellungskraft – wenn sie tatsächlich Echos früherer Leben darstellen –, dann können sie nicht nur dazu dienen, Erinnerungen wachzurufen. Erinnerung allein hat keinen Sinn, wenn sie nicht zu Weisheit wird.
Ihre Bedeutung, wie ich sie verstehe, liegt nicht darin, die Wunden der Geschichte erneut zu öffnen oder Vergeltung für die Vergangenheit zu suchen, sondern darin, Deutschland zu ermutigen, das Beste seiner eigenen Tradition wiederzuentdecken: seine Kultur, seine Philosophie, seinen wissenschaftlichen Geist, seinen Sinn für Disziplin und Verantwortung sowie seine Fähigkeit, zur europäischen Zivilisation beizutragen.
Ein Deutschland, das stark ist, ohne aggressiv zu sein; das sich seiner Geschichte bewusst ist, ohne von ihr gefangen zu bleiben; und das Europa nicht durch Macht, sondern durch Vorbild führen kann.
Europa braucht weder ein Deutschland, das in seiner Vergangenheit gefangen bleibt, noch eines, das sie vergisst. Europa braucht ein Deutschland, das gemeinsam mit den anderen europäischen Nationen mit Vertrauen, Verantwortung und Ausgewogenheit führen kann.
Die Europäische Union bleibt eines der größten politischen Experimente der Geschichte. Sie kann nur dann zu einer echten Wirklichkeit werden, wenn sie nicht lediglich eine Verbindung von Institutionen und wirtschaftlichen Interessen ist, sondern eine wirkliche Gemeinschaft der Völker.
Ein Europa, das mit seinen Verbündeten zusammenarbeitet, ohne seine eigene politische, kulturelle und strategische Eigenständigkeit aufzugeben. Ein Europa, das nicht nur von Eliten und wirtschaftlichen Mechanismen gestaltet wird, sondern von Bürgern, die sich in einer gemeinsamen Zukunft wiedererkennen.
Wenn es tatsächlich eine Aufgabe gibt, die jeder Generation – oder, für diejenigen, die an die Wiedergeburt glauben, jeder zurückkehrenden Seele – anvertraut ist, dann besteht sie nicht darin, die Konflikte der Vergangenheit wiederzubeleben, sondern darin, Erinnerung in Weisheit und Geschichte in eine Grundlage für eine ausgewogenere, friedlichere und menschlichere Zukunft zu verwandeln.




No comments:
Post a Comment